Eine Diskussion von Cannabis bis zur Kohle

Guben – 26. April 2017

Guben
Was sagt eigentlich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zur gleichgeschlechtlichen Ehe? Wie steht Landtagsmitglied Raik Nowka (CDU) zu Cannabis? Was denkt Christina Schade von der AfD über den Braunkohleausstieg? Wäre Heide Schinowksy (Grüne) für mehr Durchsetzungsmöglichkeiten der Polizei im Land? Sieht Anke Schwarzenberg (Linke) das anders? Und was sagt Iris Schülzke (BVB/Freie Wähler)? Antworten auf die Fragen, die sich wohl nur ein Bruchteil der 16-Jährigen in Guben stellen, gab es am Mittwoch in der Alten Färberei. Zwei zehnte Klassen des Pestalozzi-Gymnasiums durften mit sechs Landtagsmitgliedern zwei Stunden lang über insgesamt sechs politische Fragen diskutieren – die Legalisierung von Cannabis, ein einheitliches Schulsystem für die gesamte Bundesrepublik, gleichgeschlechtliche Ehe, Kohleausstieg, Wahlpflicht ab 18 Jahre und ein ausgeweitetes Durchsetzungspotenzial für Brandenburger Polizisten.

Eine Diskussion von Cannabis bis zur Kohle

Mit Politikern Tacheles reden – Schüler diskutierten in Guben mit Landtagsabgeordneten.
Foto: dsf

Gerade einmal zehn Minuten hatten die in Gruppen zusammengestellten Schüler Zeit, die Meinung der Fraktions-Vertreter zu ergründen und ihre eigene kundzutun. Dann wechselten die Politiker den Tisch, mussten sich mit einem neuen Thema befassen. Kaum eine Diskussion zwischen Schülern und Landtagsvertretern war nach jeweils zehn Minuten zufriedenstellend beendet – Redebedarf gab’s viel. Die Schüler hatten sich wochenlang im Unterricht mit den Themen befasst und zahlreiche Aspekte pro und contra aufgelistet. „Einen Dialog auf Augenhöhe“ sollen die Schüler mit den Politikern im Rahmen des Projekts „DialogP“ des Vereins „Kumulus“ führen. Damit lässt sich das Projektziel als „erreicht“ beschreiben. Kaum einer der Zehntklässler hatte Hemmungen davor, den Landtagspolitikern aller Parteien zu widersprechen, keiner der Politiker war sich zu schade, angeregt mit den künftigen Landtagswählern kontrovers zu diskutieren. Auch die beiden Moderatoren Pascal Kunze und Lisa-Marie Weinforth waren selbstbewusst genug, zu lange andauernde Diskussionen der Landtagsabgeordneten mit einem Glockenklingeln zu unterbrechen und zum Tischwechsel aufzufordern.

In großer Runde sollte zum Schluss der zweistündigen Veranstaltung ein allgemeines Meinungsbild der Teilnehmer zu allen Fragen in den Raum geworfen werden mithilfe von Stimmkarten. Das Ergebnis: Die meisten Schüler wollen mehr Durchsetzungsmöglichkeiten für die Polizei, kaum jemand will aber ein einheitliches Bildungssystem in ganz Deutschland und nicht einmal die Hälfte der Schüler will Cannabis legalisieren. Für die gleichgeschlechtliche Ehe sieht kaum jemand einen Hinderungsgrund. Eine Wahlpflicht für alle Erwachsenen lehnen dagegen alle ab. Nur beim Braunkohleausstieg gehen die Meinungen auseinander: Rund die Hälfte der 16-Jährigen hält die Kohle für einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region.

Zum Thema:
Das Projekt DialogP richtet sich an Schüler der Sekundarstufen I und II, vornehmlich aber an Schüler der Klassen 9 und 10. Im Unterricht wird das Treffen mit den Politikern intensiv vor- und nachbereitet. Für Schulen ist die Teilnahme kostenlos. Die Projektmacher vom Verein „Kumulus“ kümmern sich um die gesamte Organisation.Das Pestalozzi-Gymnasium in Guben hat sich nach eigenen Angaben bereits mehrfach beworben, allerdings gab es erst jetzt die Zusage.

Daniel Schauff

Quelle: lr-online.de