Wieviel Wölfe sind vertretbar?

Luckau/Dahme – 25. April 2017

Gehren
Im Saal der Gaststätte reichten die Plätze kaum, so groß war das Interesse am Informationsabend zum Thema „Wieviel Wolf verträgt die Region?“ Eingeladen hatte die Gemeinde Heideblick, wo der Isegrim in jüngster Zeit verstärkt für Wirbel sorgte. Wolfskritiker waren im Publikum in der Überzahl.
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In Brandenburg steigt die Zahl der Wölfe. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Nutztierhalter und Jäger zogen offizielle Zahlen zu Brandenburgs Wolfsbeständen in Zweifel und beklagten, mit ihren Erfahrungen bei der Politik kaum Gehör zu finden. „Man sollte einem Jäger schon zutrauen, dass er den Wolf vom Fuchs unterscheiden kann“, sagte Reinhold Born, der für die Hegegemeinschaft Heideblick Wolfssichtungen sammelt.

Frank Feimann, Leiter des Forstgutes Johannismühle, hat seit 2012 Wölfe in seinem Revier. Mit Kollegen aus Nachbarrevieren sei er dabei, jede Spur, jeden Riss in eine Karte einzutragen. So soll ein aussagefähiges Bild entstehen. Feimann fordert, vom Land eingesetzte Wolfsbeauftragte müssten für diese Aufgabe in besonderer Weise qualifiziert sein. „Ohne gut dafür ausgebildete Leute geht das Wolfsmanagement in die Hose“, ist er überzeugt. Er geht davon aus, dass in Brandenburg rund 300 Wölfe leben. 50 bis 80 Tiere sah er jedoch für artgerechte Reviere als Obergrenze an. Ein Wolf habe eine Vermehrungsrate von 30 bis 35 Prozent, so Feimann.

Iris Schülzke, Landtagsabgeordnete der Freien Wähler und Jägerin, berichtete von einem Wolfsrudel im Raum Finsterwalde mit zwölf Tieren. „Eine Wölfin kann sechs und mehr Welpen haben. Ich glaube nicht, dass die Landesregierung das Problem der Potenzierung erkannt hat“, sagte sie.

Laut Heiko Terno, Vizepräsident des Landesbauernverbandes, ist die Zahl der Rudel im Vorjahr von 16 auf 21 gewachsen, die sich verstärkt im Süden konzentrieren. Aus seiner Sicht ist ein bundesweites Monitoring nötig. Jagdberechtigte und Landwirte müssten an einem Wolfs-Managementplan beteiligt werden, forderte er.

Eine Zuhörerin monierte Einseitigkeit in der Debatte. Der Wolf sollte ein Recht haben, hier zu leben, wenngleich in verträglicher Menge. Für Frank Feimann ist vorstellbar, Gebiete zu renaturieren, auf denen der Wolf sich entwickeln kann, etwa frühere Militärflächen. Solche Kernzonen sind auch für Dietmar Becker (CDU), Gemeindevertreter in Heideblick, ein gangbarer Weg. Bestände darüber hinaus müssten bejagt werden dürfen, sagte er.

Nach dem Fund eines toten Jungwolfes unlängst in Langengrassau vermutete Wolfram Schwarzer, Vorsitzender des Jagdverbandes Luckau, anhand von Spuren im Haarkleid könnte er Artgenossen zum Opfer gefallen sein, weil schon zu viele andere Wölfe im Revier waren. Bestätigt sei das aber nicht, erklärte er.

Frank Michelchen, Bio-Landwirt aus dem Unterspreewald und Mitinitiator der Wolfswachen, zeigte Folgen für Nutztierhalter auf, die ihre Weidetiere vor Übergriffen schützen müssen. 2000 Euro betragen demnach die reinen Materialkosten pro Kilometer Schutzzaun. Er erlöse das gleiche Geld wie ein Kollege ohne Wölfe, habe aber dreifache Kosten, verglich der Landwirt.

Jörg Beier aus Schwarzenburg erzählte von Wolfsspuren, die im Winter bei Schnee im Ort auszumachen waren. Er sei kein Bauer und kein Jäger: „Wir normalen Bürger wollen gefahrlos mit Kindern und Enkeln in den Wald gehen können“, erklärte er. Keiner wollte Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) seine Frage beantworten, ob es für die Kita in Gehren ratsam sei, ihren Waldtag durchzuführen. Frank Michelchen nahm Bezug auf das nächste Brandenburger Wolfsplenum am Mittwoch: „Wir werden uns dort nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.“

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Carmen Berg

Quelle: lr-online.de